Wer war Alfons Fleischmann?

Prof. Dr. Alfons Fleischmann wurde am 26. Mai 1907 in Lochmühle bei Hilpoltstein in Franken geboren. Er verstarb am 21. August 1998 in Eichstätt.

Alfons Fleischmann studierte Philosophie und Theologie in Eichstätt und wurde 1931 dort zum Priester geweiht. Er war zunächst als Kaplan in Monheim und Neumarkt sowie als Religionslehrer am Kloster Gnadenthal in Ingolstadt tätig. 1938 erfolgte die Promotion an der Ludwig-Maximilians-Universität in München mit dem Thema Die Gnadenlehre des Wilhelm Estius und ihre Stellung zum Bajanismus.

Ab 1941/42 wirkte er als außerordentlicher Professor, ab 1946 als ordentlicher Hochschulprofessor für Moral- und Pastoraltheologie an der Bischöflichen Phil.-Theol. Hochschule Eichstätt. 1958 bis 1968 war Fleischmann ständiger Stellvertreter des Bischofs als Kanzler der Pädagogischen Hochschule, 1968 bis 1972 als Präsident der Stiftung Pädagogische Hochschule Eichstätt. 1972 bis 1976 war er Gründungsrektor der kirchlichen Gesamthochschule Eichstätt, der Vorläuferin der heutigen Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt. 1975 wurde er emeritiert.

Während seines Promotionsstudiums trat er 1936 der Studentenverbindung K.D.St.V. Aenania München im CV bei. Alfons Fleischmann war von 1952 bis 1964 CV-Seelsorger. Von 1968 bis 1972 hatte er das Amt des CV-Rats- und Altherrenbund-Vorsitzenden inne, zudem war Alfons Fleischmann Bandphilister von 23 CV- und zwei ÖCV-Verbindungen. 

 

Ein Geschenk für die Menschen

Persönliche Erinnerungen an eine zeit- und kirchengeschichtliche Persönlichkeit

von Gerhard Schöner

Eichstätt/Neualbenreuth. Alfons Fleischmann - wer diesen Namen ins Internet eingibt, der ist interessiert mehr zu erfahren. Suchergebnisse zum Beispiel beim Onlinelexikon Wikipedia ergeben „Alfons Fleischmann",  "Alfons-Fleischmann-Verein“ - „KDStV Alcimonia“.  In Zeitungsartikeln wurde über Veröffentlichungen bzw. Ehrungen berichtet, z.B. „DIE WELT“, „Bayernkurier“, in Verbandszeitschriften, wie etwa der „Academia“ des Cartellverbandes (CV), in der Kirchenpresse und in wissenschaftlichen Beiträgen. Sie alle zeichnen das Bild eines Priesters, Professors der Moraltheologie, bundesweiten Studentenseelsorgers,  Gründungsrektor der kirchlichen Gesamthochschule als Vorläuferin der einzigen kath. Universität im deutschsprachigen Raum, Rundfunkpredigers, der wiederholt hoch geschätzt und geehrt zu einer bedeutenden zeit- und kirchengeschichtlichen Persönlichkeit geworden ist.

 

Trotzdem ergeht es ihm wie all den anderen, die gekommen sind, Spuren gezeichnet haben und wieder gegangen sind. Sie verblassen mit zunehmender Zeitferne in unscharfe Erinnerung, wenn nicht erinnerndes Gedenken liebevoll lebendige Beziehung pflegt. Wir sind noch Etliche, zunehmend dem Heimgang näher Rückende, die Alfons Fleischmann persönlich gekannt, zu seiner Persönlichkeit hin herzliche,  ja bundesbrüderliche Beziehung  erleben durften und  von ihm geprägt worden sind. Er war fürwahr ein Geschenk für die Menschen, eine Lichtgestalt, uns Studierenden ein väterlicher Freund, begeistert und begeisternd, ansteckend, fröhlich, heiter, voll Gottvertrauen. Er war ungemein  kontaktfähig, ein geschickter Pontifex. Sein sympathisches Gesicht mit den lebhaften, strahlenden Augen, die natürliche Mimik und Gestik und seine warme, eher leise Stimme nahmen einen sofort für ihn ein.

Als ich im Frühjahr 1958 mein Theologiestudium in Würzburg aufgegeben und mich für das Lehramtsstudium an einer der in Bayern neu entstehenden Pädagogischen Hochschulen entschieden hatte, gab ich dem Studienort Eichstätt deshalb den Vorzug, weil von dort in einer sehr gewinnenden Weise geworben wurde, die sich besonders wohltuend von der geschäftsmäßig kühlen Art anderer Hochschulorte abhob. Aus der Zeit zwischen Juli und Ende Oktober 1958 besitze ich noch neun meine Anfragen und Inforrmationswünsche beantwortende, sehr wohlwollend formulierte Schreiben, alle handschriftlich von Alfons Fleischmann, Hochschulprofessor, in seiner markanten Schrift unterzeichnet. Ich hatte damals Prof. Dr. Fleischmann zuvor noch nie gesehen, aber mir wurde klar, dass er die Ursache meiner  Entscheidung für Eichstätt geworden war.

 

Persönliche Zuwendung und ungeteilte Aufmerksamkeit

Was mich sehr beeindruckte, war sein Interesse an uns jungen Leuten. Er war ja doch ein vielbeschäftigter Professor mit zahlreichen Aufgaben und des halb auch häufig unterwegs. Ich gehörte damals zu denen, die anfangs kaum Kontakte am Studienort fanden  und irgendwie sich zunächst abschotteten. Alfons Fleischmanns erfrischend herzliche Weise, uns zuzuhören  und unaufdringlich uns hilfreich zu sein, hat mich immer wieder fasziniert. Er war tatsächlich ein Sozialgenie. Als ich mich unter anderem einmal in der Reichenaustraße 3, seinem Wohnsitz, vereinbarungsgemäß einfand, waren da schon zwei  Kommilitonen anwesend, jeder in einem anderen von drei mit einander verbundenen Zimmern. Er sprach mit jedem von uns, undramatisch als Ansprechpartner im Türrahmen zwischen den Türen stehend, so ganz jedem zugewandt, als ob er ihm allein seine ungeteilte Aufmerksamkeit zuwenden könnte.  So etwas habe ich anderswo nie wieder erfahren.  Er sprach mit uns über Gott und die Welt. biederte sich nicht an, wich aber auch nicht aus, war immer voll Ohr, freundlich, oft schalkhaft und verschmitzt lächelnd. Wie er es immer wieder schaffte, seinen Gesprächspartnern zu vermitteln Zeit zu haben, blieb sein Geheimnis. Allein schon seine Aufgabe als Bundesseelsorger des CV veranlasste ihn zu häufigen Fahrten im In- und Ausland. Sein BMW war schnell zu erkennen am Nummernschild EIH – DU. Wir hatten da so unsere eigene Interpretation: „Er ist halt dauernd unterwegs.“

 

Mit ganzem Herzen ein begeisterter katholischer Verbindungsstudent

Am 15.12.1958 trat ich in die sich neu gründende KDStV Alcimonia im CV zu Eichstätt ein. Hier erlebten wir unter den Alten Herren immer eindrucksvoller Prof. Dr.  Alfons Fleischmann, der ja von seiner Urverbindung her Aenane war, als unseren Bundesbruder: natürlich, locker und ganz und gar nicht professoral . Die große Zahl farbiger Burschenbänder, über seiner Brust gekreuzt,  ließ uns erahnen, wie sehr unser Alfons Fleischmann mit ganzem Herzen in vielen Verbindungen unseres Cartellverbandes verankert war. Was er uns aus seinem Erleben, seiner CV- Erfahrung und seiner nie in Fanatismus ausbrechenden Begeisterung für das Cartell  gegeben hat, ist ungemein wertvoll und kaum zu ermessen. Das alles war mit dem Wahlspruch des CV „In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas!“ stets glaubwürdig auf einen Nenner gebracht. Wenn der Bundesseelsorger des CV auf Konventen und Kommersen  seine Vorstellungen formulierte, stand er nicht selten gleichsam in Flammen. Dennoch war er tolerant und offen und verständnisvoll gegenüber Andersdenkenden. Ich behaupte noch heute, dass er tief ansteckte und entflammte, so dass wir immer noch von dieser Glut zehren und davon auch weiterreichen können. Viele Gedanken und Anregungen mit Blick auf die Wiedergewinnung des christlichen Abendlandes und für die Einheit Europas klangen hier ebenso an, wie in seinen Vorlesungen in der Pädagogischen Hochschule. Wiederholt wurden wir auch Zeugen des zielklaren Strebens von Alfons Fleischmann, dass in Eichstätt die Gründung einer deutschsprachigen Katholischen Universität gelingen müsse.

 

Vorbild an Großzügigkeit
Zu Alfons Fleischmann habe ich auch im Beruf die Verbindung nie abreißen lassen. Ich habe mit ihm telefoniert und vor allem zu Festtagen immer wieder geschrieben. Und er, er hat auch stets geantwortet, kurz und herzlich, Noch heute bewahre ich solche handschriftliche Antworten auf. Besonders erfreut hat mich eines Tages der Nachweis meiner Schwiegermutter, dass in ihrer Familie von Walting her eine weitschichtige Verwandtschaft hinüber in die Fleischmann-Familie in Lochmühle bei Hilpoltstein besteht.

Es gäbe noch Etliches mitzuteilen aus einer Freundschaft, die über die Schwelle unseres irdischen Lebens hinausgreift. Ich will jedoch abschließen mit einer Erfahrung aus den Anfangsmonaten in Eichstätt, die auch einigen anderen Mitstudenten zuteil wurde. Als ich zu Beginn des Wintersemesters 1958/59 das Studium begann, war ich so gut wie mittellos. Die Studienförderung nach dem Honnefer Modell war uns bereits über das Sozialwerk der PH zugesagt. Aber es dauerte etliche Monate, bis das bewilligte Geld ausbezahlt wurde. Damals hat Alfons Fleischmann mir aus seiner Privatschatulle finanziell geholfen. Er hat mir 600 DM geliehen, und nicht nur mir. Damit konnte ich mich einige Zeit über Wasser halten. Als ich dann diese Summe zurückbezahlen wollte, hat er das nicht angenommen, sondern mir gesagt: Wenn du selbst  ein berufliches Einkommen haben wirst, dann vergiss nicht, Menschen zu helfen, die in eine ähnliche Notlage geraten sind.

Ich kehre zurück zum Ausgangspunkt meiner Betrachtung. Einen Namen einfach ins Internet einzugeben, ist gewiss aufschlussreich,  weil vielseitige Hinweise es ermöglichen, über den Namensträger Näheres bis Umfassendes zu erfahren: Aussagen über sein Leben, über seine Lebensleistung, über Spuren, die er eingeprägt hat. Ein Geschenk aber, das durch Nachschlagen in Wissensquellen kaum erreicht werden kann, ist es, wenn Zugänge möglich werden in erlebten Beziehungen. Wenn ich an meinen lieben Alten Herren und Bundesbruder  Prof. Dr. Alfons Fleischmann erinnert bin, dann fällt mir zu ihm immer wieder auch die Schriftstelle aus dem Titusbrief des Apostels Paulus ein, in der die Rede ist von „der Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, unseres Retters“ (Tit 3,4).

 

 

 

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