Papst Franziskus: Die Katholische Universität nutzen

Rom. Sehr deutlich hat Papst Franziskus im Rahmen des Ad-Limina-Besuchs der deutschen Bischöfe am 20. November auf die wichtige Aufgabe und Funktion der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KUE-I) hingewiesen.

 

In seiner Ansprache an die deutschen Bischöfe, die auf www.kath.net nachzulesen ist, sagte er: "Nutzt auch die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt mit ihrer katholischen Fakultät und den verschiedenen wissenschaftlichen Fachbereichen.

Als einzige Katholische Universität in Ihrem Land ist diese Einrichtung von großem Wert für ganz Deutschland und ein entsprechender Einsatz der gesamten Bischofskonferenz wäre daher wünschenswert, um ihre überregionale Bedeutung zu stärken und den interdisziplinären Austausch über Fragen der Gegenwart und der Zukunft im Geist des Evangeliums zu fördern."

Dem Eichstätter Kurier berichtet zudem über die erste Reaktion des Stiftungsratsvorsitzender Weihbischof Anton Losinger (Augsburg): "Wir werden diesen Ball aufnehmen und nach bestem Wissen und Gewissen umsetzen." Auch die Präsidentin der KUE-I, Gabriele Gien, zeigte sich erfreut über die überraschend deutlichen Worte des Papstes. Gien bezeichnete es als "hervorragend", dass die KU "positiv im Fokus des Papstes" steht (kath.net).

Katholische Universität - soll mehr sein, als ein äußeres Etikett

Foto: vipflash / Shutterstock.com

Eichstätt. Zur Weihe des Benediktiner Abtes Gregor Maria Hanke OSB zum Bischof von Eichstätt, gab die Katholische Hochschulgemeinde 2006 einen Beitrag des früheren Münchner Kardinals Joseph Ratzinger heraus. Diesen hatte der spätere späteren Papstes Benedikt XVI. ursprünglich als Gleitwort zur Umwandlung der Gesamthochschule Eichstätt in eine Katholische Universität gehalten. Sein Beitrag hat auch heute nichts an Aktualität verloren.

 

"Aus der Theologischen Hochschule Eichstätt hat sich im Lauf der letzten Jahre eine Katholische Gesamthochschule
entwickelt, deren wissenschaftlicher Rang es nunmehr als gerechtfertigt erscheinen ließ, ihr die Bezeichnung "Katholische Universität" zuzuerkennen, womit eine in deutschen Landen bisher nicht realisierbar erscheinende Vorstellung dank des einträchtigen Zusammenwirkens von Staat und Kirche im Freistaat Bayern nun doch Wirklichkeit werden konnte. Die so vollzogene Gründung einer .. Katholischen Universität" in Eichstätt ordnet sich, äußerlich gesehen, in den gesteigerten Ausbau der Kapazitäten des höheren Bildungssystems in Deutschland ein, dessen Zeugen wir in den letzten zwei Jahrzehnten geworden sind. Auf den ersten Blick mag eine "Katholische Universität" im Strom dieser Entwicklung fast wie ein Nachzügler erscheinen. Das wäre sie zweifellos, wenn ihre Bezeichnung ein äußeres Etikett bliebe. Dann brächte ihre Entfaltung kaum mehr als eine zusätzliche Kopie der bestehenden Universitäten zustande. Andererseits kann ein solches Bildungsinstitut auch wenn es von der Kirche getragen wird, aus der allgemeinen hochschulpolitischen Entwicklung der Gegenwart nicht einfach ausscheren. Diese ist gekennzeichnet durch eine immer stärkere Aufspaltung der Wissensbereiche in eine unüberschaubare Zahl von Einzelwissenschaften. Der nie ganz eingelöste Anspruch der Universität, dem Wissen im Ganzen geöffnet zu sein, droht verloren zu gehen. Sie wird zu einem Bündel von fach- und berufsspezifischen Ausbildungsgängen. Auch ihr anderer Sinngehalt, universitas - Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden zu sein, wobei die Lehrenden forschend selbst stets Lernende bleiben, wird unweigerlich in Mitleidenschaft gezogen.
Wie findet die Katholische Universität ihre eigene Antwort auf das Dilemma der Gegenwart?

 

Heiliger Benedikt: Wissen ohne Rückbindung an eine höhere Weisheit führt zur Entwurzelung
Die bloße Erinnerung daran, daß sich die abendländische Universität ursprünglich im Raum der Kirche unter dem Schutz der
Päpste herausgebildet hat, hilft angesichts dieser Herausforderung nicht viel weiter. Doch fällt das Gründungsjahr der Eichstätter Katholischen Universität mit zwei Jubiläen zusammen, die nachdenklich stimmen. Vor 1500 Jahren wurde der hl. Benedikt geboren. Er gründete sein Kloster Montecassino im selben Jahr, als Kaiser Justinian die platonische Akademie in Athen schloß. Benedikt hatte in seiner Jugend die Abkehr von der hohl gewordenen antiken Bildungstradition bereits vorweggenommen. Wie Gregor der Große schreibt, verließ er die hohen Schulen Roms, mit Wissen unwissend und in Weisheit ungelehrt". Der Heilige hatte erkannt, daß aufgehäuftes Wissen ohne Gewissen, Wissenschaft ohne Rückbindung an eine höhere Weisheit zur geistigen und moralischen Entwurzelung der Menschen führen mußte. Dem wollte Benedikt durch den radikalen Verzicht auf ein eigenmächtiges Wissen, das sich in sich selbst verfängt, entgegenwirken. Der liturgische Lobpreis, der an seine Stelle tritt, bringt die Unbegreiflichkeit Gottes, die alles menschliche Begreifen übersteigt, zur Sprache. Sie umgreift sinnstiftend unser Stückhaftes Begreifen der Welt und führt das menschliche Wissen zur Begegnung mit der letzten Wahrheit.
Aus dieser Einstimmung auf die göttliche Weisheit gewann die Ordensfamilie des hl. Benedikt jene Energie, der wir die Rettung der geistigen Schätze des Altertums verdanken. Sie hat den Mutterboden für die mittelalterliche Universität bereitet. Darauf aufbauend konnte ein Albert der Große, dessen 700. Todestag wir in diesem Jahr ebenfalls begehen, zum "Doctor universalis" werden und den christlichen Glauben mit der Erforschung der Natur zu einer unerschrockenen Synthese zusammenfügen.
Die Synthese zerbrach, als die Neuzeit das menschliche Wissen, nach einem Wort von Francis Bacon, mit Macht gleichsetzte. Die Einbindung der Wissenschaften in die höhere Weisheit des Herzens wurde als Fessel mißverstanden. Aber je mehr sich die Einzelwissenschaften von dieser Fessel befreiten, desto ohnmächtiger wurden sie, die Sinnfrage des Menschen zu beantworten.

 

Wissenschaftlichkeit in Verantwortung vor der göttlichen Wahrheit
Eine Katholische Universität sollte durch ihr Wirken und ihre geistige Gesamtausrichtung dartun, daß strenge Wissenschaftlichkeit
nur in der Verantwortung vor jener Wahrheit sich entfalten kann, die dem rein wissensmäßigen Zugriff entzogen ist. Dann gilt nicht mehr, was die alttestamentliche Weisheit als trauriges Fazit aus dem Wissensdurst der Menschen gezogen hat: .. Wer Wissen mehrt, mehrt auch das Leid" (Koh 1, 18). Aus dem Einklang von Wissen und Gewissen wächst eher die Einsicht ,in welchem Maß der Mensch sich um Weisheit bemüht, in dem Maß hat er jetzt schon Anteil an der wahren Glückseligkeit'' (Thomas von Aquin, Summa contra
gentiles 1 ,2). Mein Wunsch für die Katholische Universität ist es, daß sie diese geistigen Ursprünge unserer Kultur in der Bildungslandschaft der Gegenwart kraftvoll zur Wirkung bringt und damit weit über den Kreis der an ihr wirkenden Lehrer und Studenten hinaus fruchtbar für das Ganzewirke, das solcher Kräfte in krisenhafter Situation dringend bedarf."

Freisinger Bischofskonferenz gibt jährlich mehr Geld

Foto: Pressestelle der KUE-I

Augsburg. Die Freisinger Bischofskonferenz erhöht ihr finanzielles Engagement für die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) um jährlich 5,5 Millionen Euro. Dies hat der Vorsitzende des Stiftungsrates, der Augsburger Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger, mitgeteilt. Die Summe, die bereits im laufenden Jahr zur Verfügung stehen wird, haben die sieben bayerischen Bischöfe einstimmig beschlossen.

 

Weihbischof Losinger sieht darin „ein verlässliches Zukunftssignal für die Universität“. Die bayerischen Bischöfe bekräftigten damit die Haltung zum Bestand der KU und schafften Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung der einzigen katholischen Universität im deutschen Sprachraum. „Kirche und Freistaat stehen hinter der Universität“, so Losinger. 

Nach Aussagen des Großkanzlers der KU, Kardinal Reinhard Marx, baut der Träger sein finanzielles Engagement sowohl im Blick auf die Forschung als auch auf die Strukturförderung aus. Das Ziel sei es, „eine nachhaltige wissenschaftliche Entwicklung und die Stärkung des ideellen Profils der Universität voranzutreiben“, so Marx im Rahmen der Frühjahrsvollversammlung der bayerischen Bischöfe. Die Freisinger Bischofskonferenz wolle die Katholische Universität mit Nachdruck stärken und fördern. Die Hochschulleitung der KU begrüßt die Entscheidung der Bischöfe. „Wir freuen uns über dieses Bekenntnis des kirchlichen Trägers zur KU, welches weitere Möglichkeiten bietet, die Forschung und Lehre an unserer Universität weiter zu entwickeln“, erklärte KU-Präsidentin Prof. Dr. Gabriele Gien. 

In einem Interview mit der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) erteilte Losinger außerdem Spekulationen zu einer möglichen Schließung der Theologischen Fakultät eine Absage. Eine Zeitung hatte am Wochenende gemutmaßt, dass der kirchliche Träger an der KU Geld einsparen wolle zugunsten einer stärkeren theologischen Präsenz der katholischen Kirche in der Bundeshauptstadt. Ein Institut in Berlin, das derzeit von einer Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz angedacht wird, mache die Theologie an der KU jedoch nicht überflüssig, sondern im Sinne des katholischen Profils zum unerlässlichen Strukturfaktor, so Losinger. „Nicht Auflösung, sondern die differenzierte Diskussion über ihre Potenziale, die konstante Entwicklung der Möglichkeiten in Forschung und Lehre und ihrer Qualität ist das erklärte Ziel des Trägers mit der Theologie an der Katholischen Universität." 

Schließlich könne vorhandene theologische Expertise aus der KU auch einmal wichtiges Gestaltungselement für die Berliner Einrichtung werden. Nicht nur aus diesem Grund werden die Entwicklungsperspektiven des Fachbereichs Theologie in Eichstätt in den kommenden Monaten im Rahmen von Strukturentwicklungsgesprächen und einer Potenzialanalyse erörtert (Pressedienst der KUE-I).

 

 

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